Internationale Bürgermeister-Konferenz NOW Wien

Österreich, 30-31. Jänner 2017

Die dritte Internationale Bürgermeister-Konferenz NOW beschäftigte sich mit der Situation von geflüchteten Kindern in den Herkunftsländern, auf der Flucht und nach ihrer Ankunft im Aufnahmeland.

Auf der Konferenz diskutierten Expert/innen, Bürgermeister/innen, europäische Politiker/innen, NGO-Vertreter/innen und Geflüchtete über das Thema “Kinder auf der Flucht”. Dabei tauschten sie ihre Erfahrungen aus und entwickelten neue Lösungsansätzen.

Act.Now, ein Unternehmen hervorgegangen aus einer privaten Initiative, organisierte die Konferenz in Kooperation mit dem Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog. Kuratorien der dritten NOW-Konferenz war Viola Raheb (Universität Wien).

> Deklaration der dritten NOW-Konferenz

> Schlussbericht (Englisch)

> Zusammenfassung der Ergebnisse (Englisch)

Impressionen von der dritten NOW-Konferenz

Visual Recording

Schlussbericht

Dossier “Children on the Move”

Dossier

In der Auseinandersetzung mit Flucht und Geflüchteten wird die große Gruppe der geflüchteten Kinder und Jugendlichen häufig übersehen. Dabei sind sie – zumal oft unbegleitet – den vielen Gefahren besonders schutzlos ausgeliefert. Es ist unsere Absicht, diese Problematik ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Dieses Dossier entstand im Zuge der Vorbereitung der dritten Internationalen Bürgermeister-Konferenz NOW, die am 30. und 31. Jänner 2017 in Wien stattfindet.

Eines von 200 Kindern befindet sich auf der Flucht.

Die aktuellen Zahlen zeigen den Umfang der Herausforderungen, vor denen wir stehen:
48 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind weltweit auf der Flucht. Rund die Hälfte der geflüchteten Kinder kommen aktuell aus Afghanistan und Syrien. Viele machen sich allein auf den gefährlichen Weg nach Europa. Von 10.000 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen verlor sich letztes Jahr laut Europol die Spur in Europa. Aufgrund der Abschottung der europäischen Staaten werden die Fluchtrouten immer teurer und gefährlicher. Nach der Schließung der Westbalkanroute zählt die zentrale Mittelmeerroute (Tunesien, Libyen und Ägypten nach Italien) und die östliche Mittelmeerroute (Türkei nach Griechenland) zu den am meisten frequentierten Fluchtwegen. Die Hauptzielländer waren 2016 Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich.

Geflüchtete Kinder sind kriminellen Netzwerken schutzlos ausgeliefert.

Auf ihrer Flucht machen die meisten Menschen Gebrauch von Schleppern. Im Gegensatz zu Fluchthelfern agieren diese kommerziell und ausbeuterisch. Allein 2015 wurde das Geschäft der Schleuser auf bis zu 6 Milliarden Euro geschätzt. Vor allem Kinder, die alleine fliehen, sind ihren Schleppern schutzlos ausgeliefert. Die Grenzen zwischen Schlepperwesen, das sich auf die Überwindung von Landesgrenzen konzentriert, und Menschenhandel, bei dem die wirtschaftliche Ausbeutung von Menschen im Vordergrund steht, verschwimmen zunehmend. Dies gilt insbesondere, wenn die Flucht durch einen Kredit bei der Schlepperorganisation finanziert wird, der in weiterer Folge durch ausbeuterische Tätigkeiten „zurückbezahlt“ werden muss.

Kinder auf der Flucht sind in besonderem Maße von Ausbeutung, Gewalt und Tod bedroht.

Auf ihrer Flucht sind Kinder, vornehmlich unbegleitete, vielen Gefahren ausgesetzt. Auf ihnen ruht häufig die Hoffnung ganzer Familien, die von kriminellen Einzelpersonen oder Organisationen leicht ausgenutzt werden kann. Die Kinderarbeit nimmt in Ländern wie dem Libanon, Irak, Jordanien und der Türkei stetig zu. Unter unvorstellbaren Arbeitsbedingungen und bei sehr geringer Entlohnung müssen Kinder für den Lebensunterhalt ganzer Familien aufkommen. Neben den gesundheitlichen Folgen wird ihnen dabei der Schulbesuch verunmöglicht. Unter den schwierigen Umständen in Flüchtlingslagern sind vor allem Mädchen zusätzlich von Ausbeutung und sexuellem Missbrauch bedroht. Im Libanon, in Jordanien und der Türkei werden Mädchen zum Schutz vor sexuellen Übergriffen und aus finanziellen Gründen oft frühzeitig verheiratet. Dadurch gelangen junge Mädchen – manche jünger als 14 Jahre – in nicht selbst gewählte, meist gewalttätige Beziehungen mit wesentlich älteren Männern, denen sie nicht oder nur schwer entfliehen können. Des Weiteren gibt es sowohl in der Türkei als auch im Libanon Hinweise auf Märkte für Zwangsprostitution von Minderjährigen. In der Form von Kurzzeit-Ehen, die nur wenige Stunden bis zu einem Monat andauern, wird in Ländern wie dem Irak, Jordanien und der Türkei mit jungen geflüchteten Mädchen Handel getrieben. 2015 wurden im Irak 700 Frauen und Mädchen vom IS entführt und als Sklavinnen an Kämpfer vergeben oder verkauft. Neben dem Menschenhandel tauchen auch immer mehr Anzeichen dafür auf, dass mit Organen geflüchteter Menschen Handel getrieben wird. Vor allem in Ägypten und dem Libanon, aber auch im Sudan, dem Irak und Jordanien, überall dort, wo sich viele Geflüchtete aufhalten, gibt es verifizierte Berichte von Organhandel, dem auch Kinder zum Opfer fallen.

Neben diesen ausbeuterischen Gefahren sind Kinder zusätzlich von unterschiedlichen Formen von Gewalt bedroht. Diese widerfährt ihnen in Asyleinrichtungen von Seiten der BetreuerInnen, sie herrscht in überfüllten Lagern bei Konflikten untereinander und die Kinder erleben sie in Form rassistischer Hassverbrechen.

Letztlich riskieren Kinder auf der Flucht auch ihr Leben. Allein im Mittelmeer sind im letzten Jahr 700 Kinder ertrunken, mindestens ebenso viele starben bei der Durchquerung der Sahara. Viele Todesfälle werden niemals registriert und Familien erfahren nicht vom Schicksal ihrer Kinder.

All das Leid, das Kindern in Kriegsgebieten und auf der Flucht widerfährt, hat Folgen im Ankunftsland.

Neben den sichtbaren Narben bringen geflüchtete Kinder unsichtbare Folgen der Gewalterfahrungen mit. Das Ausmaß von Traumatisierungen unter geflüchteten Kindern ist gigantisch. Jedes fünfte geflüchtete Kind weist Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung auf. Nahezu die Hälfte (40 Prozent) ist selbstmordgefährdet. In besonders überfüllten Lagern, wie dem in Calais bevor es geräumt wurde, liegt der Anteil traumatisierter Kinder um ein Vielfaches höher.

In den Ankunftsländern besteht außerdem die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche radikalisiert werden oder in die Kriminalität abrutschen. Diese Gefahr wird umso größer und unberechenbarer z.B. Probleme mit adäquate Unterbringung, Dolmetsch, psychosoziale Versorgung, Kontinuität bei Ansprechpersonen/Obsorgeübertragung, Familienzusammenführung, Verschwinden aus Einrichtungen/Risiko der Ausbeutung, Schulbesuch nach Schulpflicht, Beschäftigung und Freizeitangeboten, Unterstützung beim Übergang nach Erreichen des 18. Lebensjahres, Fehlen grenzüberschreitender Zusammenarbeit von Kinderschutzbehörden etc, je weniger von Anfang an eine angemessene Betreuung der ankommenden Kinder und Jugendlichen angeboten wird.

All die Gefahren und alles Leid, das Kindern auf der Flucht widerfährt, betrifft auch uns. Daher hatte die dritte Internationale Bürgermeister-Konferenz NOW in Wien zum Ziel, gemeinsam Lösungen zu diskutieren und zu erarbeiten, Wissen weiterzugeben sowie Vernetzung und Austausch erfolgreicher Modelle über Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg zu erreichen.

> PDF- Download: Dossier “Children on the Move” (Englisch)

Veranstaltungsort

ÖBB Werkstättenhalle
Spittelauer Lände 33, 1090 Wien

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:

Der Konferenzort kann mit der U-Bahn-Linie U4 (grüne Linie) erreicht werden – Station „Friedensbrücke“. Bei dieser Station verwenden Sie bitte den Ausgang „Gussenbauergasse“.

Programm

Montag, 30. Jänner 2017

08:30 Registrierung

09:00 Eröffnung

09:30 Voices of Mayors

Host: Hannes Swoboda, MEP (ret.), President des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche – wiiw, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog

10.30 Panel 1 – Bildungsrealitäten von Geflüchteten in der MENAT-Region

Host: Viola Raheb, Universität Wien, Kuratorin des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog

11.30 Kaffeepause und interaktive Diskussion

12.00 Panel 2 – Diversität und sozialer Zusammenhalt in europäischen Klassenzimmern

Host: Viola Raheb, Universität Wien, Kuratorin des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog

13.00 Interaktive Diskussion

13.20 Mittagessen

14.15 Reflexionsgruppen

14.45 Workshops (inkl. Kaffeepause)

16:15 Zusammenfassung und Feedback

17:00 Voices of Europe

Host: Hannes Swoboda, MEP (ret.), President des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche – wiiw, Vorstandsmitglied des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog

18.00 Konzert

19:30 Abendessen

Dienstag, 31.Jänner 2017

09:00 Voices of Refugees

Hosts: Robert Misik, Journalist, Autor, Kurator des des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog
Viola Raheb, Universität Wien, Kuratorin des Bruno Kreisky Forums für Internationalen Dialog

10.00 Panel 3 – Menschenhandel und Ausbeutung – tägliche Realität von Menschen auf der Flucht

Host: Helga Konrad, ehemalige österreichische Bundesministerin für Frauen

11.00 Kaffeepause und interaktive Diskussion

11.30 Panel 4 – Die Entstehung von “Parallelgesellschaften” verhindern

Host: Anna Sporrer, Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofes

12.30 Interaktive Diskussion

13.00 Mittagessen

14.00 Reflektionsgruppen

14.30 Workshops (inkl. Kaffeepause)

16.30 Zusammenfassung und Feedback

17.15 Abschlussveranstaltung

Presseanfragen

Für österreichische und deutsche Medien:

Robert Schafleitner, Act.Now, Wien
E: media[AT]act-n-o-w.at
T: +43-660 6283077

Für internationale Medien:

Mona Sacher, The Skills Group, Wien
E: sacher@skills.at
T: +43 (1) 505 26 25

Mitwirkende – Team

Die Internationale Bürgermeister-Konferenz NOW Wien
initiiert von Act.Now | André Heller, Patricia Kahane und Elke Zuckermann

Für den Inhalt verantwortliche Kuratorin:

Viola Raheb, Universität Wien

Mitwirkende:

Künstlerische Gestaltung: Georg Resetschnig
Musikalische Leitung: Marwan Abado

Öffentlichkeitsarbeit: Elke Zuckermann, The Skills Group | Jörg Wollmann, Mona Sacher

Social Media: Lena Doppel, Jürgen Haslauer, Ally Auner
Logistik: Büro Wien | Michael Müllner, Sina Kleinewiese, Daniel Schwarzkopf, Julian Pichler
Moderation & Consulting: complet | Ebru Sonuc & Bernhard Drumel, Susanne Ehmer, Georg Fodor, Adrian Holter, Michael Patak, Christine Pircher, Gundi Vater
Grafikdesign: Kerstin Heymach
Fotografen: Rishabh Kaul, Wolfgang Simlinger
Visual Recording: Harald Karrer
Redakteur: Robert Misik
Projektkoordination und Administration: 
Act.Now GmbH | Catrin Neumüller, Robert Schafleitner, Julia Probst, Sulaiman Al Mahmoud, Dossier: Susanne Riegler, Consulting: Konstantina Zöhrer

Kooperationspartner

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